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Lohn für Erziehungsarbeit oder Arbeitszwang ohne Ende?
„Neue Familienpolitik“ in einer tagespolitischen Analyse

In Deutschland, das als wohlfahrtsstaatlicher Vertreter eines starken Familienernährermodells galt, wurden in der Vergangenheit mehrheitlich Männer über den Arbeitsmarkt dazu befähigt, die Subsistenz der von ihnen abhängigen Familienangehörigen gewährleisten zu können. Mehrheitlich Frauen waren hingegen in privaten Haushalten unentgeltlich für die Erziehung von Kindern verantwortlich. Mit der „neuen Familienpolitik“ fand eine Transformation statt, bei welcher durch eine Vielzahl an Reformen die rasche Integration aller Erwerbsfähigen in den Arbeitmarkt vorangetrieben wurde. Die jahrzehntelange feministische Forderung nach gleichberechtigter Partizipation von Frauen am Erwerbsleben scheint damit realpolitisch umgesetzt. 

Doch desto weniger sich steuer-, sozial- und arbeitspolitische Ausrichtung auf einen die Subsistenz aller anderen Familienmitglieder gewährenden Familienernährer orientierte, desto deutlicher manifestierte sich ein Erwerbszwang, welcher jüngst auch auf Mütter und Väter recht junger Kinder ausgeübt wird und einhergeht mit einem familienpolitisch forcierten Ausbau der Kleinkindbetreuung. Durch diesen transformiert sich ein bisher unbeachtetes und unentlohntes Tätigkeitsfeld von vornehmlich Frauen. Im Zentrum des Workshops werden zunächst einige tagespolitische Analysen der jüngsten familienpolitischen Reformen stehen. Im Anschluss wird unter Bezugnahme auf aktuelle Forschungsergebnisse die Frage diskutiert werden, ob es durch die Art und Weise des Wandels und den sich dabei konturierenden Bedingungen der Tätigkeit in der Tagespflege zu ‚guter’ Erwerbsarbeit für die dort tätigen Personen kommt, oder ob durch die Kommodifizierung und Flexibilisierung dieses Arbeitsfeldes prekäre Beschäftigungen von Frauen ausgeweitet werden. Darüber hinaus soll hinsichtlich der in diesem Feld deutlich werdenden doppelten Vermarktlichung ebenso die gesellschaftspolitischen Implikationen die mit dem Ausbau dieser Betreuungsformen einhergehen Gegenstand der Diskussion sein. 

Workshop mit Lisa Haller und Karin Zennig.

Werkstatt der Kulturen, Samstag 16.45-18.15, Raum 3.