Staat und Gewalt. (Gewaltökonomien II)
Wir sprechen über den modernen Staat in seinem Ursprung als maskulinistische, heterosexistische, rassistisch-nationalistische Gewaltinstitu-tion. Welche Rolle spielt der Staat bei der Einrichtung und Aufrechterhaltung von systematischen gewaltförmigen Strukturen, Verhältnissen und Handlungsweisen? Inwiefern produziert er beispielsweise durch den Wohlfahrtsstaat die gesellschaftlichen Sphären „Privatheit und Öffentlichkeit“, in denen Geschlechterbilder wie die bürgerliche Weiblichkeit und der männliche Ernährer produziert, und durch institutionalisierten Heterosexismus aufeinander bezogen werden?
Weiter wollen wir uns das paradoxe Verhältnis genauer ansehen, das zwischen emanzipatorischen Politikansätzen von Nichtregierungsorganisationen und ihrer staatlichen Förderung besteht. Inwiefern „versorgt“ der Staat einerseits Gewaltbetroffene über die Finanzierung von Beratungs- oder Präventionsprojekten, bekämpft jedoch andererseits die zugrund liegenden Gewaltverhältnisse nur unzureichend, stützt diese vielmehr über Gesetzte? Oder anders gefragt: Wer wird vom Staat gerade NICHT versorgt, wer fällt qua Status (z.B. illegalisiert) komplett aus Strukturen heraus bzw. wird gewaltsam ausgeschlossen?
Aufgrund von welchen Kriterien wird wem Geld gegeben, und inwiefern werden unterschiedliche Projekte bzw. verschiedene Gewaltverhältnisse gegeneinander ausgespielt? Welche bürokratischen und politischen Hürden erfahren Projekte, die sich einer Effizienzlogik in der Arbeit mit Betroffenen entgegenstellen?
Mit Olaf Stuve (dissens), Tale Meyer (Wildwasser) und Sam Tsemeu (TAM).
Werkstatt der Kulturen, Samstag 11.30-13.30, Raum 1.