queerfeminismus und oekonomiekritik
das event

Queerfeminismus und Ökonomiekritik in der russischen Revolution und darüber hinaus.

Der Wish&Workshop richtet sich an alle, die Interesse an dem Thema haben, ob mit oder ohne Vorwissen. Dabei gibt es kein vorgefertigtes Konzept, das den Teilnehmer_innen übergestülpt werden soll, sondern je nach deren Bedürfnislaune kurze Inputs, zu denen gemeinsam diskutiert werden kann. Über was genau diskutiert wird, entscheiden wir vor Ort zusammen. Themen könnten z.B. sein: die sehr ambivalente Verknüpfung von Homosexuellenemanzipation und -konstruktion und Sozialismus, die Diskurse und Praktiken von Transgeschlechtlichkeit in der Revolution, die spezifisch kommunistische Verbindung und Bewertung von proletarisch konnotierter Transmännlichkeit und bürgerlich konnotierter Transweiblichkeit und die damit verbundene orientalistische Überdeterminierung dieses Verhältnis vor allem in Bezug auf die sowjetischen Republiken unter islamischer Hegemonie. Zusammen können wir über die Dominanz von Frauen in der jüdischen Arbeiterinnenorganisation BUND nachdenken und dabei das Verhältnis von Sozialismus und Jüdinnenemanzipation streifen. Spannend sind auch die Diskurse um sexuelle Befreiung wie sie von Alexandra Kollontai geführt wurden und die Frage, inwieweit sie biopolitisch reaktionär sind (Gebärhoheit) oder über heutige Diskurse hinausweisen (Inzest). Dabei können wir auch über die gar nicht ökonomistische, aber dennoch sexistische Replik von Lenin&Co darauf sprechen. Die Frage, welche Rolle die 'Lohn'arbeit in den sozialistischen Feminismen spielte und welche dominierende Rolle die zugleich 'urkommunistischen' und urpatriarchalen Verhältnisse bei den Bäuerinnen spielten, die 90% der Bevölkerung ausmachten wäre auch ein mögliches Themenfeld. Spannend ist auch, welche geschlechtliche Subjektivität die Revolution (er)forderte und wie diese die Fehler und Verbrechen der Revolution beleuchtbar macht und zudem noch in der DDR sichtbar wurde und selbst in der unterschiedlichen Geschlechtlichkeit von heutigen West- und Ostfeministinnen noch spürbar ist. Auch die Bedeutung der sexuellen und antifeministischen Konterrevolution, die sich mit der Stalinisierung verbindet und etwa von Wilhelm Reich kritisiert wurde wäre spannend zu diskutieren. Wir könnten auch am Beispiel einer Streichholzfabrik an der finnischen Grenze in den 1920er Jahren Überlegungen darüber anstellen, inwiefern eine nachgeholte ursprüngliche Disziplinierung mit einer spezifisch geschlechtlichen Subjektivität einhergeht oder wie sich deren Durchsetzung geschlechtliche Anrufungen zunutze machte. 

Dabei können wir in jeden Fall wieder den Bogen zu heute schlagen, wobei die interessante Frage nicht lautet, wo wir heute schlauer geworden sind als unsere Vorgängerinnen, sondern wo eventuell dümmer. Oder was sich aus den Niederlagen feministischer Kämpfe in der Revolution über deren Scheitern sagen lässt. Dies könnten wir z.B. mit einer Rekonstruktion des noch heute - zumindest als Abgrenzungsfolie durch die differenzfeministische Kritik der 1970erff - so bekannten Schreckgespenst jenes Gleichheitsfeminismus tun, der die Emanzipation "der Frau" als Gleicheit mit "dem Mann" konzipiert und dabei "der Arbeit" eine zentrale befreiende Rolle zuschreibt, um dann dessen brüchige und vieldeutige Genese zu erarbeiten.

Wish&Workshop.

Werkstatt der Kulturen, Samstag 18.30-20.30, Raum 1.